ETF-Versicherung oder ETF-Sparplan – Ein Vergleich

ETF-Sparplan oder ETF-Versicherung
ETF-Sparplan oder ETF-Versicherung

Die zentrale Frage in der Altersvorsorge heutzutage lautet: ETF-Versicherung oder ETF-Sparplan/Depot?

Im Folgenden vergleichen wir beide Möglichkeiten der Altersvorsorge sehr ausführlich und detailliert. Schau dir hier nochmal eine allgemeine Übersicht über alle Möglichkeiten zur Altersvorsorge an oder eine Erklärung zur Fondsgebundenen (ETF-Versicherung) Rentenversicherung.

Kurzes Zwischenwort zu uns und unserer Philosophie

Als Finanzmakler mit Schwerpunkt Altersvorsorge und Ruhestandsplanung beschäftigen wir uns Tagein Tagaus mit genau dieser Thematik und ja wir verdienen damit unser Geld. Dies geschieht durch Provisionen oder Honorar für die Beratung und Vermittlung von entsprechenden Verträgen. Hier haben wir ausführlich über die Unterschiede und das Für und Wider von Honorar und Provision geschrieben. Kurzum: Beides hat seine Daseinsberechtigung und der Mandant hat bei uns die Wahl.

In dieser Analyse gehen wir trotzdem detailliert auf die Unterschiede von ETF-Versicherung und ETF-Sparplan ein und rechnen beides einmal transparent und nachvollziehbar durch. Behalte dabei im Hinterkopf, dass wir unseren Mandanten beides anbieten und dazu raten, eine Hybridlösung für das komplexe Problem Altersvorsorge zu fahren.

Wir werden hier keine pauschale Verurteilung der einen oder anderen Möglichkeit treffen, wie es einige selbsternannten Finanzexperten und Verbraucherschützer gerne tun. Wir haben die nötigen Prüfungen und Zertifizierungen und haften für unsere Beratung (im Gegensatz zum ein oder anderen Internetnutzer).

Voraussetzungen für den Vergleich von ETF-Versicherung mit ETF Depot

Für den Vergleich gehen wir davon aus, dass das Ziel beider Anlagemöglichkeiten die Altersvorsorge ist, der Anlagehorizont länger als 20 Jahre beträgt und der mittelfristige Vermögensaufbau keine Rolle spielt. Wir nutzen im Vergleich auch jeweils die stärksten Tarife und Produkte, es wird kein Marktmittelwert oder eine Durchschnittskostenmethode verwendet. Dies hat den Hintergrund, dass wir als Makler mit besonderer Spezialisierung auf Ruhestandsplanung mittlerweile 98% aller Tarife finanzmathematisch ausgewertet haben und der Öffentlichkeit unsere Analysen zur Verfügung gestellt[hier] haben – wir kennen die Kostenstrukturen also sehr gut und ein Vergleich mit mittelguten Produkten ist unserer Meinung nach wenig sinnvoll.

Vergleich ETF-Versicherung und ETF-Sparplan: Detaillierte Analyse

 ETF-VersicherungETF-Sparplan
VertragspartnerVersicherungDepotbank
ETF-AngebotUmfangreichAlles
Versteuerung der ErträgeKeine Abgeltungssteuer, Halbeinkünfteverfahren (50% Steuerfreiheit) + Teilfreistellung: 15 %Abgeltungssteuer (bzw. Vorabpauschale). Teilfreistellung: 30% (bei ETFs mit >51% Aktien)
VererbbarkeitJa, problemlos Ja, problemlos
BeiträgeFlexibelFlexibel
Liquidität Guthaben100%100%
Kosten (all-in Effektivkosten)0,6% – 0,95% (mit Weltportfolio)0,3% – 0,4% (mit Weltportfolio)
SicherheitSicherungsvermögen (100% gesichert)Sondervermögen (100% gesichert)
AblaufmanagementAutomatischEigenregie
RentenzahlungLebenslangSolange Kapital reicht

Vergleich ETF-Versicherung und ETF-Sparplan: Kosten

Die Zeiten teurer Versicherungsprodukte sind längst vorbei, da der Markt in den letzten 10 Jahren sehr viel an Transparenz dazugewonnen hat und es sehr einfach ist in diverse Altersvorsorgeprodukte zu investieren.

Man muss hier im Vorwort aber auch so ehrlich sein und sagen, dass es günstiger als ein ETF-Sparplan fast nicht mehr geht, wenn man eine reine Kostenbetrachtung macht, ist die ETF-Versicherung also teurer, da man als Anleger hier auch mehr Leistungen erhält.

Bei der Versicherung „kaufe“ ich mir Steuervorteile ein. Die ETF-Versicherung lohnt sich gegenüber dem Sparplan also immer dann, wenn meine Kosten für den Steuervorteil geringer sind als der Steuervorteil in € wert ist.

ETF-Versicherung ETF-Sparplan
Abschlusskosten 2,5% der Beitragszahlungen der nächsten 35 Jahre* Keine
Ausgabeaufschläge Keine Keine
Depotführungsentgelt Keines Max. 25€ p.a.
Verwaltungskosten p.a. Anbieterabhängig 0,2% – 0,6%

*in jeder unserer Finanzmathematischen Analysen erklären wir die Berechnung der Abschlusskosten. Fallen nur bei Bruttotarifen an. Bei provisionsbefreiten Tarifen fallen diese weg.

Mittlerweile gibt es genug Anbieter, die die kostenlose Besparung von ETFs im Sparplan anbieten und auch keine Depotführungsentgelte mehr nehmen, als dass hier noch ein Kostenpunkt aufgeführt werden müsste. Etwaige Fremdkostenzuschläge beim Verkauf oder manuellen Nachkauf vernachlässigen wir hier, da diese i. d. R. aktuell nur 1-2€ ausmachen. Das Thema könnte allerdings wieder relevant werden, wenn die EU Payment for Orderflow verbietet, was den Banken aktuell die günstigen Orders für den Kunden ermöglicht.

Kurzer Einschub Payment for Orderflow und die geringen Ordergebühren

Kurzum, du als Sparer, bekommst von der Bank einen leicht schlechteren Kurs beim Einkaufen und Verkaufen, die Differenz zum echten Kurs behält die Bank sich ein und muss dafür keine Ordergebühren erheben. Für Sparplannutzer hat das langfristig aber nur einen sehr geringen Nachteil, weshalb dies in der Rechnung nicht berücksichtigt wird.

Es ist egal, ob es ein Brutto oder Nettoprodukt ist

Die Art der Vergütung, also ob ich eine ETF-Versicherung auf Provisionsbasis oder eine ETF-Versicherung gegen eine Honorar erwerbe, spielt nur eine untergeordnete Rolle, wenn man sich darauf einigt, nur die besten Tarife der jeweiligen Gruppen zum Vergleich heranzuziehen. Natürlich ist der beste Nettotarif günstiger als der Marktdurchschnitt der Bruttotarife. Vergleicht man die Spitzenreiter miteinander, schmilzt der Unterschied dahin, sofern man marktübliche Honorarnoten verwendet, denn in dem einen Szenario ist der Tarif besser, im anderen Szenario der andere. Dies liegt einfach an den Kostenstrukturen. Ein Tarif hat vielleicht höhere fixe Kosten, unabhängig vom Beitrag, was diesen Tarif für kleinere Sparraten unattraktiv macht usw.

Konkreter Kostenvergleich von Brutto-, Nettopolice und ETF-Sparplan

 BruttopoliceNettopoliceETF-Sparplan
Monatliche Sparrate250€
Einmaliges Honorar (ggf. inkl. Finanzierungskosten)0,00€3.000,00€0,00€
Kosten der Fondsanlage (0,2% p.a. thesaurierender Aktienfonds 6% Rendite)10.436,92€10.533,38€11.532,77€
Kosten Versicherer / Kosten Depotbank12.915,00€9.597,12€1.000,00€
Gesamtkosten23.351,92€22.130,50€12.532,77€

Die Beitragszahldauer und Zinshochrechnung beträgt 40 Jahre. Es wurde für alle Optionen derselbe Fonds zugrunde gelegt. Ein generischer weltweit anlegender Aktienfonds mit einer TER von 0,2% und 6% jährlicher Rendite. Für die Bruttopolice haben wir einen Tarif der Universa und für die Nettopolice den der Bayerischen im Vergleich herangezogen. Die Kosten wurden per Software berechnet. Für das Depot haben wir 2€ Kosten im Monat berechnet, dies könnten Ordergebühren oder Depotführungsentgelte sein. Der Wert fällt für den ein oder anderen deutlich höher aus.

Vergleich ETF-Versicherung und ETF-Sparplan: Besteuerung

Schauen wir uns einmal eine Kurzübersicht der verschiedenen Besteuerungen an.

ETF-Versicherung ETF-Sparplan
Teilfreistellung 15% der Erträge steuerfrei Ab 51% Aktienanteil im Fonds 30% Erträge steuerfrei
Halbeinkünfteverfahren 50% der Erträge steuerfrei
Steuer während Sparphase Keine Vorabpauschale
Steuern bei Umschichtung Keine 26,375% auf Erträge

Es ist wichtig an dieser Stelle noch einmal anzumerken, dass bei der Anlage in ETF-Sparpläne das Risiko besteht, dass sich die steuerliche Beurteilung im Laufe der Zeit ändert. Gesetzliche Neuregelungen, neue Rechtsprechungen oder Erlasse der Finanzverwaltung können die steuerlichen Folgen für die Anleger nachträglich beeinflussen. Es gibt keinerlei Garantien, dass sich über den gesamten Anlagezeitraum nichts an den äußeren Umständen ändert und du hast als Anleger auch keinen Bestandsschutz.

Besteuerung Fonds und Vorabpauschale

Wenn es um die Auszahlung eines ETFs aus einem freien Depot geht, müssen wir uns mit einer zentralen Frage beschäftigen: Wie funktioniert die Auszahlung und wann fallen Steuern an?

Die steuerliche Situation ist zwar etwas komplex, aber von großer Bedeutung für deine zukünftige Entscheidung. Seit 2009 unterliegen die Kursgewinne deiner ETFs während der Haltedauer der Abgeltungssteuer. Als Anleger bedeutet dies, dass du 25% plus Solidaritätszuschlag (insgesamt 26,375%) und gegebenenfalls Kirchensteuer auf deine Erträge, Zinsen und realisierten Kursgewinne zahlen musst. Wir rechnen ohne die Kirchensteuer.

Seit 2018 müssen nur 70% der Erträge aus ETFs besteuert werden müssen. Man spricht von einer Teilfreistellung von 30%. Zusätzlich werden ETFs während der Haltedauer mit der Vorabpauschale besteuert. Die Steuern, die durch die Vorabpauschale beglichen werden, werden dann bei einem Verkauf gegengerechnet, um eine doppelte Besteuerung zu vermeiden. Das macht übrigens alles die Depotbank automatisch.

Die Steuerlast der Vorabpauschale mindert den Zinseszinseffekt in einem ETF-Sparplan. Die genaue Höhe der Vorabpauschale hängt unter anderem vom Basiszins und der Kursentwicklung deiner Anlage im laufenden Jahr ab. Steigt der Basiszins im Laufe der Jahre, nimmt auch die mögliche Steuerlast zu. 

Du siehst also, dass wir hier nur bedingt eine sinnvolle Berechnung anstellen können, da der Basiszins in den nächsten 30-40 Jahren nicht konstant bleiben wird. Die mit der Vorabpauschale gezahlte Steuer wird beim Verkauf angerechnet, um eine doppelte Besteuerung zu vermeiden, der Zinseszinseffekt wurde dadurch aber bereits gemindert.

Beispiel Vorabpauschale

Die Vorabpauschale ist vom Ertrag im jeweiligen Jahr abhängig.

Angenommen du hast 100.000€ in deinem Depot und am Ende des Jahres eben 106.000€.

Ertrag 6.000€ bedeutet eine Steuerlast von 329,56€

Besteuerung einer ETF-Versicherung

Du kannst in deiner ETF-Versicherung zwischen der Kapitalauszahlung und der lebenslangen Rente wählen. Die beiden Optionen werden anders versteuert. Eine Vorabpauschale fällt während der Ansparzeit nicht an. Auch beim Fondswechsel wird dein Kapital nicht besteuert, der Zinseszinseffekt läuft ungehindert weiter.

Besteuerung Kapitalauszahlung ETF-Versicherung

Bei der Kapitalauszahlung greift das sogenannte Halbeinkünfteverfahren. Dies hat zur Bedingung, dass der Versicherungsnehmer das 62. Lebensjahr erreicht hat und der Vertrag 12 Jahre besteht. Also gar kein Problem für alle, die sich bereits in den Zwanzigern und Dreißigern um ihre Altersvorsorge kümmern.

Das Halbeinkünfteverfahren erlaubt es jetzt, dass du nur noch die Hälfte deiner Erträge versteuern musst.

Zusätzlich dazu haben alle Fonds in einer Versicherung eine Teilfreistellung von 15%.

Du musst also nur 85% der hälfte deiner Erträge (Nicht deiner Einzahlungen) mit deinem persönlichen Steuersatz versteuern zum Zeitpunkt der Auszahlung. Für die meisten Leute wird dieser Steuersatz auch wesentlich niedriger sein als während der Erwerbstätigkeit.

Also (Erträge *0,5) * 0,85 ergibt den zu versteuernden Betrag. Auch dies passiert aber automatisch.

 ETF-VersicherungETF-Sparplan
Einzahlungen100.000€100.000€
Gesamtkapital500.000€500.000€
Erträge400.000€400.000€
Zu versteuern400.000€ * 0,5 = 200.000€ * 0,85 =170.000€400.000€ * 0,7 = 280.000€
Steuerlast 170.000€ * 35% = 59.500€ 280.000€ * 26,375 = 73.850€

Besteuerung einer ETF-Versicherung Lebenslange Rente

Die lebenslange Rente, die man von einer ETF-Versicherung beziehen kann, wird abhängig vom Alter besteuert. Es wird immer nur ein bestimmter Teil der Rente besteuert, der sogenannte Ertragsanteil.

Alter Ertragsanteil (%)
62 21
63 20
64 19
65 18
66 18
67 17
68 16
69 15
70 15

Würde man also seine Rente mit 67 beziehen wollen, so würden 17% der Rente besteuert werden. Die Steuerlast sinkt im Alter leider nicht, es zählt immer das Alter, in dem erstmalig die Rente bezogen wurde.

Erhältst du nun aus deiner privaten Rentenversicherung eine Rente von 1.500€ würden 17% davon mit deinem persönlichen Steuersatz besteuert werden.

1.500€ * 0,17 = 255€
Diese würden mit deinem persönlichen Steuersatz zu dem Zeitpunkt versteuert werden. Sagen wir 35%.
255€  * 0,35 = 89,25€ Steuerlast.

Du würdest also eine monatliche Nettorente von 1.410,75€ erhalten.

ETF-Versicherung Freibeträge in der Kapitalisierung optimal nutzen

Wie optimiert man hier seine Steuerlast? Es ist eine gängige Methode die Kapitalisierung nicht zu 100% auszuzahlen, um Freibeträge effizient nutzen zu können. Du kannst dir jedes Jahr bis zu einem bestimmten Zeitraum (je nach Tarif) eine Summe auszahlen lassen, die optimalen Gebrauch von allen Freibeträgen und Einkommensgrenzen macht. Am besten konsultierst du dafür aber einen Steuerberater.

Vergleich Ansparphase

In der Ansparphase verhalten sich die ETF-Versicherung und der ETF-Sparplan sehr ähnlich. Bei beiden zahle ich automatisch monatlich per Dauerauftrag eine Summe ein. Einmalzahlungen kann ich auch nach Lust und Laune tätigen. Das vorhandene Kapital ist bei beiden Möglichkeiten jederzeit verfügbar. Eine ETF-Versicherung der 3. Ebene kann jederzeit gekündigt oder beitragsfrei gestellt werden und du kannst dein Geld sofort ausgezahlt bekommen, wie bei einem ETF im Depot.

Marke Eigenbau vs Betreuung vom Fachmann

Eine Beobachtung, die wir häufig tätigen ist die, dass für viele Menschen das Thema Altersvorsorge sehr abstrakt ist, weil man es nicht greifen kann und das Problem auch für die allermeisten sehr weit in der Zukunft liegt. Das hat zur Folge, dass die Sparrate für die Altersvorsorge nicht immer mit der passenden Priorität versehen wird. Will meinen, dass es passieren kann, dass man die Motivation verliert oder kurzfristiger Konsum die Oberhand gewinnt und das Depot geplündert wird.

Hier ist es aus unserer Sicht hilfreich, einen Ansprechpartner an der Seite zu haben, der die Motivation hochhält und bei Finanzkrisen den kühlen Kopf bewahrt.

Vanguard Mehrwert von Beratung

Dass Beratung und insbesondere Verhaltenstraining einen Mehrwert hat, findet auch Vanguard und beziffert den Mehrwert mit rund 3% Rendite, der sich durch Beratung und Betreuung herausholen lässt. Hier der Link zur Studie.

Wir freuen uns über jeden, der sich selber mit der Thematik beschäftigt und für sich umsetzt, das ist bei weitem aber eine kleine Minderheit aller Sparer. Für alle anderen stehen wir zur Verfügung und unterstützen bei der Umsetzung der Ruhestandsplanung.

Umschichten und Rebalancen: ETF-Depot

In der Regel willst du mit deinem Depot weltweit aufgestellt sein und so jeden Wirtschaftsstandort oder Branche mit einbeziehen. Nutzt du dafür mehrere (regionale oder Sektor-ETFs) dann setzt du meist zu Beginn eine Gewichtung fest, die der Realität entspricht, alles andere wären Sektor- oder Region-Wetten, wenn du bestimmte Faktoren übergewichtest und dir so eine stärkere Performance erhoffst. Das widerspricht aber dem Ansatz des passiven Investierens mit ETF.

Kurzum, über die vielen Jahre der Anlage werden sich deine ETFs unterschiedlich stark entwickeln, sodass die ursprünglich getroffene Gewichtung wieder hergestellt werden muss.

Dafür werden die übergewichteten Positionen zum Teil verkauft oder getrimmt und die ins Hintertreffen geratenen Positionen aufgestockt.

Dies wird im ETF-Depot manuell durch dich durchgeführt. Bei jedem Verkauf fallen hier wieder Steuern in Höhe von 26,375% auf die Erträge an. Dein Zinseszinseffekt wird hier wieder reduziert.

 ETF-VersicherungETF-Sparplan
RebalancingAutomatischManuell
FondswechselSteuerfreiVersteuert
BeitragspauseMöglichMöglich
Steuern bei UmschichtungKeine26,375% auf Erträge

Umschichten und Rebalancen: ETF-Versicherung

In der ETF-Versicherung ist die Problematik ähnlich: Über die Laufzeit müssen die Positionen ausgeglichen werden, um die ursprüngliche Gewichtung beizubehalten oder eine neue gewünschte Gewichtung umzusetzen.

Der große Vorteil hier ist allerdings, dass dies komplett Steuerfrei und automatisch passiert. Deine Fonds werden jedes Jahr oder jeden Monat, wie du es wünschst, automatisch auf die von dir vorgegebene Verteilung gebracht, ohne dafür Einbußen beim Zinseszinseffekt zu haben, denn innerhalb der Police fallen beim Verkauf keine Steuern an.

Umschichten in ESG-Konforme Fonds

Wir raten grundsätzlich immer dazu, sowohl eine Fondspolice als auch einen ETF-Sparplan im Depot zu haben. Folgendes Beispiel: Ein Mandant ist vor einiger Zeit mit dem Wunsch an uns herangetreten, seine ETFs in ETF, welche ESG-Konform anlegen, umzuschichten. In seiner ETF-Versicherung war das kein Problem, der Wechsel konnte sofort und steuerfrei durchgeführt werden. Es entstanden keine Kosten.

In seinem ETF-Depot, welches dieselben Fonds hielt, sah die Sache anders aus: Auf die mittlerweile knapp 24.000€ Erträge (nach Teilfreistellung) mussten 26,375% Steuern gezahlt werden. 

24.000€ * 0,26375 = 6.330€ Steuern – 1.000€ Freibetrag = 5.330€ Steuerlast

Der Wiederanlagewert war also 5.330€ geringer. Das hat ungefähr 1,5 Jahre Zinseszins wieder rückgängig gemacht, war aber notwendig für die ESG-Konforme Anlage.

Eine Umschichtung kann auch "unfreiwillig" geschehen

Es kann durchaus auch vorkommen, dass ein ETF geschlossen wird. Eine Schließung kann viele Gründe haben. So kann zum Beispiel der Anbieter mit einem anderen Anbieter fusionieren und legt daher auch die Fonds zusammen oder aber der ETF war nicht rentabel und wird daher nicht fortgeführt, sondern geschlossen. Aber auch ein nicht ausreichendes Fondsvolumen kann eine Schließung mit sich bringen.  Du bekommst den Wert deiner Anteile dann ausgezahlt und kannst neu anlegen. Es fällt hier natürlich die Steuer an.

Vergleich Ruhestandsphase

Die Ruhestandsphase nennen wir den Zeitraum, in welchem keine Einzahlungen mehr getätigt werden, sondern das Kapital verzehrt wird. Dies kann in Form einer Rentenzahlung sein oder Teilverkäufen. Die Umschichtung und Auszahlung spielt hier eine zentrale Rolle.

Umschichtung vor der Ruhestandsphase

Die Rendite in der Ansparphase kommt von der Volatilität, das ist die Schwankungsbreite, des Fonds. Das ist wichtig, um eben vom exponentiellen Wachstum zu profitieren und da die Ansparphase in der Regel länger als 30 Jahre andauert, haben wir genug Zeit, um Krisen wie den Coronacrash auszusitzen. Während das Kapital aber verzehrt werden soll, ist die Volatilität sehr gefährlich. Man stelle sich vor, die Ruhestandsphase beginnt für dich 2020 und auf einmal ist dein Kapitalstock 30% weniger wert als noch vor 5 Monaten. 

Um das auszugleichen, fängt man ca. 5 Jahre vor geplantem Rentenbeginn an, von volatilen Aktienfonds in weniger schwankungsstarke Anlagen umzuschichten.

In der ETF-Versicherung passiert das auf Wunsch automatisch, beim ETF-Sparplan muss man sich selber darum kümmern oder dies mit seinem Ansprechpartner durchführen.

Beim Umschichten im Depot fallen Steuern an, in der ETF-Versicherung nicht.

Lohnt sich die Lebenslange Rente in der ETF-Versicherung?

Bei der ETF-Versicherung kannst du zwischen der Verrentung oder der Kapitalauszahlung wählen. Die Verrentung geschieht wie folgt: Dem gesamten Guthaben der Police wird ein (bei Abschluss bekannter) Rentenfaktor zugrunde gelegt. Beispielsweise 24€ pro 10.000€ Guthaben.

Hast du als Sparer nun ein Guthaben von 750.000€ so wird dies durch 10.000€ geteilt. 

750.000€/10.000€ = 75€ -> 75€*24 = 1.800€ monatliche Rente.

Ob sich die Rente lohnt, hängt rechnerisch maßgeblich von deiner Lebenserwartung ab. Du würdest in diesem Beispiel im Jahr 21.600€ Rente erhalten.

750.000€/21.600€ = 34,72 Jahre 

Beziehst du die Rente also mindestens 35 Jahre, dann lohnt sich eine Verrentung rechnerisch. Du wärst dann aber auch, ausgehend vom Rentenbeginn 67, 102 Jahre alt. Wie realistisch das für dich ist, musst du selber abwägen. Die allgemeine Lebenserwartung steigt, aber ob du individuell so alt wirst, ist dann dein persönliches „Risiko“ welches du mit der Rentenversicherung absichern kannst.

Fazit

Es ist also gar nicht so einfach zu sagen, ob das eine Produkt das andere pauschal schlägt. Besonders der lange Zeitraum birgt viele Unsicherheiten und Veränderungen sowohl im Leben als auch von der Gesetzgebung her.

Aus unserer Sicht fährt man am besten, wenn man beide Produkte nutzt und so nicht nur bei den Unternehmen diversifiziert, sondern auch in der Form der Besteuerung und sich die Option auf eine lebenslange Verrentung offen lässt. Entscheiden musst du nämlich erst im kurz vorher welche Variante du nutzen möchtest. 

Das ganze natürlich unter der Voraussetzung, dass man keinen besonders teuren ETF-Versicherungstarif hat. Wir unterstützen mit finanzmathematischen Gutachten und der Einrichtung deiner ETF-Sparpläne und Versicherung. Sowohl provisionsbefreite als auch Provisionstarife – du entscheidest!

FAQ

Eine ETF-Rentenversicherung und ein ETF-Sparplan sind beide Anlagestrategien, die auf ETFs (Exchange Traded Funds) basieren. Sie unterscheiden sich jedoch in der Art und Weise, wie sie besteuert werden und wie sie verwaltet werden.

Wenn ETF-Anteile verkauft werden, fallen in Deutschland Abgeltungssteuern an. Diese betragen 25% plus Solidaritätszuschlag (insgesamt 26,375%) und ggf. Kirchensteuer auf die Erträge, Zinsen und realisierten Kursgewinne.

Die Vorabpauschale ist eine Art von Steuer, die auf ETFs während der Haltedauer anfällt. Die dadurch beglichenen Steuern werden dann bei einem Verkauf gegengerechnet, sodass keine doppelte Besteuerung stattfindet.

Bei einer ETF-Rentenversicherung kann man zwischen einer lebenslangen Rente und einer Kapitalauszahlung wählen, und für diese beiden Varianten gelten unterschiedliche Besteuerungen. Bei einer Kapitalauszahlung wird unter bestimmten Voraussetzungen das Kapital mit dem Halbeinkünfteverfahren besteuert.

Beim Halbeinkünfteverfahren wird die Hälfte der Erträge bzw. Kursgewinne zur Besteuerung herangezogen. Dies gilt, wenn der Vertrag der ETF-Rentenversicherung bereits 12 Jahre läuft und der Anleger mindestens 62 Jahre alt ist.

Die lebenslange Rente aus einer ETF-Rentenversicherung wird mit dem sogenannten Ertragsanteil besteuert. Die Höhe des Ertragsanteils hängt vom Alter des Rentenbezugs ab.

Das Ablaufmanagement bezieht sich auf die Investitionsphase vor dem Rentenalter. Es beinhaltet Entscheidungen über das Umschichten von ETFs und die Anpassung des Portfolios an das sich ändernde Risikoprofil des Anlegers.

Bei einer ETF-Rentenversicherung kann der Anleger selbst entscheiden, ob die Versicherung zu bestimmten Zeitpunkten ein Ablaufmanagement vornimmt, oder ob er die Versicherung in jedem Einzelfall für eine Umschichtung beauftragt. Das Ablaufmanagement sorgt dafür, dass das Portfolio vor der Rentenbezugsphase nicht mehr so starken Schwankungen unterliegt.

Eine ETF-Rentenversicherung bietet Vorteile wie Steuerstundungseffekt, Planbarkeit und das Fehlen von Steuern beim Umschichten oder Ablaufmanagement.

Es gibt keine eindeutige Antwort auf diese Frage, da es auf die individuellen Umstände und Präferenzen des Anlegers ankommt. Einige Anleger entscheiden sich dafür, beide Wege der Geldanlage zu nutzen, um die Vorteile beider Welten zu nutzen. Diversifikation gilt nicht nur bei Fonds, sondern auch bei der Produktwahl zur Altersvorsorge.

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